Wenn der Makler
trotzdem klingelt

Mit dem Aufblühen der Immobilien-Portale im Internet fürchten die Makler um ihre Pfründe. Zunehmende Privat-Verkäufe bestätigen die These, nicht für jeden Transfer einen Immobilien-Fachwirt zu benötigen.

Für bestimmte Makler sind Immobilien von privat daher Freiwild, dass es gilt einzufangen oder zu erlegen, um die Erfolgsquote von Privat-Verkäufen möglichst gering zu halten.
Da in den meisten Anzeigen von privat inzwischen der Hinweis „Makler-Anfragen unerwünscht!“ prangt, erschleichen sich Makler ihren Besuchstermin mit unterschiedlichen Strategien:

Bewertungsportal: 

Freundliche Telefon-Akquisiteure locken mit unverbindlicher Bewertung Ihrer Immobilie. Wer kann so einem großzügigen Angebot schon widerstehen. Zum  Termin erscheint dann aber kein Gutachter mit Zollstock und Taschenrechner, sondern ein Makler, der Ihnen, dem Privat-Verkäufer erzählt, was an Ihrem aktuellen Web-Auftritt alles falsch ist und wie viel besser ein professioneller Makler – also er selbst – den Verkauf aufziehen würde. Statt einer profunden Einschätzung Ihres Immobilien-Wertes legt er einfach 20 % auf Ihren Verkaufspreis drauf. So wird Ihnen suggeriert, dass Sie Ihren wertvollen Schatz viel zu günstig veräußern wollten.

Kauf-Interessent:

Grundsätzlich darf ein Immobilien-Makler Sie als Privat-Verkäufer nicht mit unerwünschter Akquise nerven, sofern Sie es in Ihrer Anzeige untersagt haben. Aber er darf im Auftrag eines Kunden Ihre Immobilie in Augenschein nehmen. Also versuchen viele Makler und Maklerinnen "im Auftrag eines Interessenten" den ersten Kontakt aufzubauen. 
In 90 % dieser Fälle sind die Kunden frei erfunden. Das lässt sich leicht prüfen, indem Sie Namen und Anschrift des Auftraggebers erfragen. Viele Makler/innen brechen dann nach einem patzigen Hinweis auf den Datenschutz das Gespräch ab. 

Bestandskundenliste:

Um konkrete Angaben zu ihrem Kauf-Interessenten zu umgehen, verweisen viele Makler auf ihre lange Bestandskunden-Liste. So kann er nicht auf einen dezidierten Namen festgelegt werden.
Wer den Begriff „Bestandskunde“ einmal zu Ende denkt, kommt schnell auf den Haken an der Sache: Es wird sich bei solchen Kunden in den meisten Fällen entweder um Spekulanten handeln, die auf ein Schnäppchen warten, dass sie zum Höchstpreis weiterverticken, oder um schwierige Kunden, deren kritischer Blick jede bisherige Bestandsimmobilie pulverisiert hat, und die vermutlich noch ewig auf dieser Liste verweilen werden...

Makeln kommt von mäkeln:

Die besonders ungehobelten Makler arbeiten sich inhaltlich an Ihrer Anzeige ab: Miserable Bilder, irreführende Texte, zu hoher/zu niedriger Preis, Ihre Anzeige steht schon viel zu lang im Netz und „verbrennt“. Wer solche offenen Anfeindungen nicht als willkommene Argumentations-Runde sieht, sollte das Gespräch abbrechen und sich weitere Anrufe verbeten. Ich kann zwar nicht ahnen, welcher Zweck dieser Strategie zugrunde liegt – schließlich wird kein klar denkender Hausbesitzer nach so einem Gespräch dem Makler den Zuschlag geben – aber es gibt diese Mäkel-Makler – ich habe sie persönlich am Telefon erlebt...

Fazit:

Die aufgeführten Makler-Strategien können einen sensiblen Selbst-Verkäufer zur Verzweiflung bringen und evtl. in die Arme eines „seriösen“ Maklers treiben, der ihn vor weiteren Aufdringlichkeiten schützt. Die Makler-Branche spricht dann gern von „einigen wenigen schwarzen Schafen“.
Meine subjektiven Zahlen liegen bei 90-95 % bezogen auf Makler, die sich bei der Kontaktaufnahme zu Privat-Verkäufern nicht an Sitte und Anstand orientieren. Aus diesem Blickwinkel betrachtet wird auch klar, warum die Innung nicht brachial gegen Regelverstöße vorgeht: 

 


So bleibt der Anteil von Hausbesitzern, die sich trauen Ihre Immobilie selbst anzubieten möglichst klein.

Ich bin in der langen Verkaufsphase meiner Immobilie häufig von Selbstzweifeln gequält worden, ob ich wirklich der Richtige für diesen Job bin. Ich habe mich dann immer wieder neu hinterfragt, an der Strategie gefeilt, neue Bilder geschossen und die beschreibenden Texte aktualisiert. Rückblickend bin ich froh, dass ich mich von den vielen Maklern nicht habe umstimmen lassen...

Thomas Völcker, Juni 2020
E-Mail: info@besitzerglueck.info